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Gendermedizin - warum Ungleichbehandlung besser ist

Steile These, nicht wahr? War auf dem Blog nicht was von Chancengerechtigkeit zu lesen?


“Vor dem Virus, dem Krebs, dem Knochenbruch oder der Entzündung scheinen alle Menschen gleich zu sein: eine folgenschwere Fehlannahme, die in der Medizin erst allmählich bekannt wird”


(Credit: Alessandra Schellnegger / Süddeutsche Zeitung Photo)



Dr. med. Werner Bartens erklärt in seinem Buch “Gesundheitsrisiko Weiblich - Warum Frauen von der Medizin falsch verstanden und schlechter behandelt werden” das Frauen anders von Krankheiten betroffen sind als Männer. Kürzlich interviewte ich die Geschlechterforscherin und Autorin Beatrice Frasl. Sie geht sogar einen Schritt weiter und spricht gar von “patriarchaler Belastungsstörung”. Soziale Faktoren, wie das Geschlecht und Klassenunterschiede (und hier sind keine Spielklassen gemeint), beeinflussen laut Frasl die psychische Gesundheit. Patriarchale Strukturen machen krank. Übrigens auch Männer. Wir sind alle betroffen. Aber manche sind eben betroffener. Der weibliche Körper hat nicht nur weniger Muskelmasse als das männliche Pendant, sondern: Bestimmte Erkrankungen rufen bei Frauen und Männern ganz andere Symptome hervor. Die Folge: Krankheiten werden oft verkannt oder nicht richtig diagnostiziert. Bei Männern zum Beispiel wird seltener eine Depression diagnostiziert als bei Frauen. Nicht weil Männer seltener erkranken, sondern weil sich vielleicht eher eine Alkoholabhängigkeit zeigt, die die eigentlich zugrunde liegende Depression überdeckt. Das kann mitunter lebensgefährlich sein. Männer begehen dreimal so häufig Suizid. Auch bei Herzerkrankungen gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, wie der US-amerikanischen Kardiologin Marianne Legato bereits in den 1980er Jahren auffiel. Frauen leiden bei einem Herzinfarkt unter diffusen Symptomen, wie Kurzatmigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Benommenheit, sowie Kiefer-, Nacken-, Hals- und Rückenschmerzen. Kurz: Frauen sind anders krank. Und: Sie benötigen mitunter für die gleiche Krankheit eine andere Behandlung. Die Gendermedizin ward geboren! Doch das ist in der Praxis noch nicht überall angekommen. Die gesamte Medizin muss auf den gendertechnischen Prüfstand, heißt es in der ARD Doku “Nur ein kleiner Unterschied? Die Entdeckung der Gendermedizin”. Wie also sieht eine gerechte Medizin aus? Antworten liefert die dreiteilige MDR Doku “Der tödliche Unterschied - warum das Geschlecht ein Gesundheitsrisiko ist”.



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